Monatstrends Juni

 

Wie schon in den Vormonaten beschrieben, werden wir uns im Jahr 2020 immer wieder mit der Steinbock- und Wassermann-Energie auseinandersetzen. Entwicklungstechnisch gesehen, folgt der Wassermann dem Steinbock. Das kann übersetzt u.a. bedeuten:
Erst wenn wir bereit sind, Verantwortung für uns, unser Handeln, unsere Gesellschaft und unsere Erde zu übernehmen, können wir Individualität so leben, dass sie für alle gewinnbringend ist.

Im Moment erleben wir Verzicht und Einschränkung nicht freiwillig (Wassermann), sondern angeordnet (Steinbock).Wie wäre es, wenn wir die Steinbockqualität wieder mehr zu schätzen wüssten? Könnten wir dann aus dem Mangeldenken aussteigen und wieder die Fülle sehen, in der wir so oft leben, und diese voll und ganz genießen? Wäre das nicht gar ein erster Schritt in Richtung Selbstbestimmtheit?

Als elftes Zeichen im Zodiak ist Wassermann ein kollektives Zeichen und dieser Aspekt wurde uns auf unterschiedlichen Ebenen immer wieder vorgeführt. z.B. durch die Einschränkungen (Saturn) der für uns so selbstverständlichen persönlichen Freiheit (Wassermann) und einem Aufruf zur Solidarität. 

Diese Einschränkungen unseres Handlungsspielraums durch gesellschaftliche Instanzen – Saturn lässt grüßen – haben unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Aber sie haben auch viele zum Nachdenken angeregt:

Wo liegen unsere eigenen Richtlinien?
Wo beugen wir uns gesellschaftlichem Druck, vielleicht sogar ohne es zu realisieren, bzw. welchen „Herren“ dienen wir?
Sind wir auch bereit, ohne Vorgaben von außen Verantwortung für uns, unser Handeln, unser Nicht-Handeln, unsere Umwelt, unsere Erde zu übernehmen?

Im Juni beschäftigen uns weiterhin die dritte und letzte Konjunktion von Chiron und Lilith (interpoliert) und der Rückläufigkeitszyklus der Venus.  

Ein gemeinsames Merkmal von Lilith und Chiron ist ihre Außenseiterposition. Beide waren in der jeweiligen Mythologie aufgrund ihres „So-seins“ in der Gesellschaft, in der sie lebten, nicht anerkannt. Lilith verließ daraufhin freiwillig das Paradies und zog sich mit ihrer Kraft und ihrem Wissen zurück. Chiron wurde ein großer Heiler und Lehrer, konnte aber die eigene Wunde nicht heilen und bat darum, seine Unsterblichkeit aufgeben zu dürfen, was ihm von Zeus gewährt wurde. Die beiden Mythen entspringen unterschiedlichen Epochen. Die Erzählung um Lilith weist noch matriarchale Züge auf, wohingegen Chiron ein patriarchaler Mythos aus der griechischen Hochzeit ist.

Da die Konjunktion im Widder stattfindet, stellt sich zuerst die Frage, wie wir Widder-Energie definieren? Mögliche Zuschreibungen sind beispielsweise: mutig, risikobereit, willensstark, aggressiv, forsch, pionierhaft, kraftvoll, impulsiv, rücksichtslos, lebendig, usw.

Passende Gedanken zu Chiron und Lilith in Widder wären demnach:
Welchen Teil der Widder-Energie haben wir geopfert – persönlich, gesellschaftlich und kulturell?
Welche Ängste leben in uns bezogen auf die Widder-Energie?
Wie lässt sich ein männlich-weibliches Gleichgewicht in Bezug auf Widder-Energie herstellen?
Wie sieht unsere ganz persönliche Widder-Energie aus, und in welchen Bereichen würden wir diese Kraft gerne wiederbeleben?

Venus bleibt bis 25. Juni rückläufig und erreicht ihre Station zur Direktläufigkeit auf 5°20′ Zwilling.
Der gleichmäßige Zyklus der rückläufigen Venus (er verschiebt sich im 8-Jahresrhythmus um 2°) gibt uns die Gelegenheit, gleiche Themen (Häuser oder Planeten) immer wieder zu betrachten.

Überprüft werden zum einen Beziehungen und Freundschaften in all ihren Facetten:
Wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um und wie lasse ich mich behandeln?
Für wie wertvoll erachte ich mich im Vergleich zu anderen?
Was erwarte ich von einer Freundschaft und wie viel bin ich bereit zu geben?
Nehme ich den anderen in seiner Eigenart wahr oder so, wie ich ihn mir wünsche?
Kann ich faire Kompromisse schließen?

Oft werden wir in dieser Zeit mit Altlasten oder Wunschdenken aus vergangenen Beziehungen konfrontiert und können in der Rückschau herausfinden, wie für uns eine ideale Beziehung/Freundschaft in der Zukunft aussehen kann.

Das zweite große Thema berührt unsere Talente und Ressourcen mit den Fragen:
Wie behandle ich meinen Körper? Pflege ich ihn, treibe ich Raubbau, höre ich auf seine Signale?
Wie ist mein Umgang mit Geld und materiellen wie ideellen Werten?
Kenne ich meine Talente, schätze ich sie und gebe ich ihnen genügend Raum, in dem sie sich entfalten können?

Ein weiteres Venusthema ist Genussfähigkeit und Lebensfreude:
Was bedeutet für mich Sinnesfreude und Lust?
Erlaube ich mir die Annehmlichkeiten des Lebens?
Wie wichtig sind für mich Schönheit, Kunst und kreativer Selbstausdruck?
Was macht mir wirklich Freude?
Sorge ich für mein eigenes Wohl oder erwarte ich es von anderen?
Weiss ich was für mich bekömmlich ist, und treffe ich die richtige Wahl?

Dieser Rückläufigkeitszyklus findet im Zeichen Zwilling statt und bezieht die oben gelisteten Fragen unter anderem auf die Themen Kontaktfreude, Distanz, Unverbindlichkeit, Wertfreiheit, geistige Freundschaften, Vielseitigkeit, Kommunikationsmuster.

 

Eine Woche vorher, am 18. Juni, beginnt Merkur seinen Rückläufigkeitszyklus auf 14°45′ Krebs.
Merkur steht für Kommunikation, Wissen, Lernen, Kontakte, Handel und Verkehr.

Die klassische Deutung spricht davon, dass es während des rückläufigen Merkurs vermehrt zu Problemen in Kommunikation, Handel und Verkehr kommt und dass keine Verträge abgeschlossen werden sollen.

Wenn wir Merkur aus dem Blickwinkel der psychologischen Astrologie betrachten und das Krebszeichen mit einbeziehen, können wir uns Gedanken darüber machen, wie wir mit anderen kommunizieren und ob wir dabei empathisch und freundlich sind. Eine weitere Frage könnte sein, aus welchen Gründen wir Kontakte pflegen und aufrechterhalten. Wem dient es, wenn wir andere umsorgen oder von ihnen umsorgt werden wollen?

Merkur steht u.a. für den Anteil in uns, der für unsere Denkfähigkeit und unser Lernvermögen steht. Das Krebszeichen steht für Eigenschaften wie Einfühlsamkeit, Emotionalität, Fürsorge und das Bewahren einer kindlichen Energie. Wie stehen wir zu diesen Energien, können wir sie wertschätzen und sind Kopf und Bauch im Einklang?

Dabei können alte Muster entdeckt werden, die inzwischen ausgedient haben und die wir verändern wollen.

Eine Woche lang sind also beide persönlichen Planeten rückläufig.

Generell ist dies eine gute Zeit, um in Bezug auf den jeweiligen Planeten Liegengebliebenes und Aufgeschobenes aufzuarbeiten, alte Verhaltensmuster zu überprüfen, Altlasten zu entsorgen sowie Pläne zu überdenken und von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten. Dabei können sich völlig neue Sichtweisen auftun.

Oft wird die Rückläufigkeit eines Planeten als hinderlich oder lästig empfunden. Dennoch gibt sie uns Zeit zur genaueren Betrachtung der anstehenden Themen und die Möglichkeit, Vergessenes nachzuholen, zu rekapitulieren und ein eventuelles Ungleichgewicht auszugleichen.
 

Am 30. Juni findet das zweite Zusammentreffen von Jupiter und Pluto auf 24° Steinbock statt. Saturn wechselt einen Tag später von Wassermann zurück nach Steinbock. Damit erhält die Steinbock-Qualität erneut Impulse.
Neutral betrachtet steht die Steinbockqualität für Autorität, Disziplin, Durchhaltevermögen, Leistungsvermögen, Verantwortungsbereitschaft, Realitätssinn, Reduktion auf das Wesentliche, Stabilität Struktur und Klarheit. Wir können sie als hemmend und überfordernd erleben, wenn wir den Anforderungen von Außen nicht gerecht werden, eventuell sogar Schuldgefühle entwickeln. Oder wir können in die Eigenverantwortung und Integrität gehen, und innerhalb unserer selbstgesetzten Grenzen Zufriedenheit mit dem entwickeln, was wir an Ressourcen zur Verfügung haben. Das bezieht sich nicht nur auf materielle Dinge sondern auch auf Fähigkeiten, Kenntnisse und ganz generell unser Vermögen. Voraussetzung dafür sind Wertfreiheit/Gleichwertigkeit sowie Achtung und Wertschätzung für sich selbst und andere.

Jupiter und Saturn können sowohl Widersacher als auch Partner sein. Wenn die jupiterische Fülle in maßlose Gier entgleitet, werden Saturns Beschränkungen auf das Wesentliche als unangenehm empfunden werden. Ebenso können sie aber auch gemeinsam sehen, wo gesundes Wachstum möglich ist und was es braucht, um das umzusetzen, was in der jeweiligen Situation sinnvoll ist und sowohl im Innen als auch im Außen stimmig erscheint. Dazu braucht es die Fähigkeit Plutos, ehrlich zu sich und anderen zu sein. Als Gott der Unterwelt bringt er die Schattenthemen eines Individuums, in diesem Fall durch die Berührung mit den Gesellschaftsplaneten auch einer Gesellschaft, ans Licht. Als Kollektivplanet macht er bewusst, dass jeder Einzelne Teil einer Gemeinschaft ist, von dieser geprägt wird und diese auch selbst prägt. Dazu gehören ethische, moralische und materielle Wertvorstellungen, mit denen wir uns auseinandersetzen und bei denen wir hinterfragen werden, ob sie uns noch entsprechen.

Plutonische Prozesse können einerseits kraftvoll sein, andererseits herausfordernd, immer aber sind sie intensiv und häufig bringen sie uns an Grenzen. Daher kann es sein, dass wir nochmals mit Ein- und Beschränkungen rechnen müssen. Die Aufgabe ist es, herauszufinden, was uns wirklich wertvoll ist, uns trägt, einen Sinn für uns ergibt und uns zu echter Freude führt.

Zur partiellen Mondfinsternis am 5. Juni 2020 um 21h12 MEZ auf 15°34′ Zwillinge-Schütze steht der Fische-Mars im Quadrat und die Sonne in Konjunktion mit der rückläufigen Venus.
Die Mondfinsternis lenkt das Augenmerk auf uns selbst, auf unsere Werte und Ideale, eventuell auch unsere Vorurteile. Die Konjunktion der rückläufigen Venus an der Sonne bezieht dabei besonders unser Beziehungsverhalten im Allgemeinen und im persönlichen Bereich mit ein. Mit dem objektiven und neutralen Blick der Zwillings-Energie können besonders in der Rückschau alte Muster bewusst und verändert werden. Obwohl der Fische-Mars in einer Spannungsfigur mit eingebunden ist, kann er uns in diesem Prozess unterstützen. Er steht für einfühlsames Handeln, das wir uns und anderen angedeihen lassen können.

 


Mondfinsternis 05. Juni 2020   21h12 MEZ in München

 

Zur Sommersonnwende am 21. Juni findet um 08h41 auf 0°41′ Krebs eine ringförmige Sonnenfinsternis am aufsteigenden Zwillinge-Mondknoten statt.
Sichtbar ist sie im westlichen Kongo, im Sudan, in Äthiopien und Eritrea, im Jemen, dem südlichen Saudi-Arabien, im Oman, im Süden Pakistans und im Norden Indiens bis zur Grenze zu China und in Taiwan.
Mit einer Finsternis am aufsteigenden Knoten sind wir aufgefordert, Neuland zu betreten, auszuprobieren und dazuzulernen. Der Fokus liegt auf der Krebsenergie und dabei können wir uns folgende Fragen stellen:

Kenne ich meine wahren Gefühle und Bedürfnisse, gestehe ich sie mir zu und bin ich bereit, die Verantwortung dafür zu übernehmen?
Kann ich gut für mich sorgen oder stelle ich Versorgungsansprüche an andere?
Was sind meine Motivationen dafür, anderen zu helfen und mich um sie zu kümmern?
Leiste ich Hilfe zur Selbsthilfe oder ist es ein Mittel, um die Nähe zu anderen zu sichern?

 


Sonnenfinsternis 21. Juni 2020   08h41 MEZ in München 

 

 

Die mundanen Konstellationen sind für den Einzelnen unterschiedlich stark spürbar, je nachdem, welche Faktoren im individuellen Horoskop davon berührt werden.

© Jutta Stemmer